Wenn Fakten zählen: Unsere Reaktion auf HNA Leserbriefe
In der aktuellen Debatte wird die Neue Herkulesbahn teils als „Luxusprojekt“, „nostalgischer Rückschritt“ oder „wirtschaftlich unsinnig“ bezeichnet. Manche träumen von einer Seilbahn, andere von zusätzlichen Bussen. Wer aber nüchtern auf Zahlen, Infrastruktur und Rahmenbedingungen schaut, erkennt: Die Neue Herkulesbahn ist die einzig realistische Lösung für Kassel – ökologisch, ökonomisch, kulturell und sozial.
1. Wirtschaftlichkeit: Straßenbahn schlägt Bus, Auto und Seilbahn
Straßenbahnen sind nachweislich das effizienteste Verkehrsmittel im urbanen Raum.
- Lebensdauer: Straßenbahnen ca. 40 Jahre, Busse nur 12–15 Jahre .
- Eine Bahn ersetzt mehrere Busladungen: die Personalkosten pro Personenkilometer sinken erheblich.
- Laut Wissenschaftlichem Dienst des Deutschen Bundestages liegen die Betriebskosten im ÖPNV bei deutlich unter 0,50 € pro Personenkilometer, günstiger als der motorisierte Individualverkehr (Bundestag WD 5–005/24, 2024).
- Für Kommunen verursacht der Autoverkehr sogar das Dreifache an Kosten im Vergleich zum ÖPNV — durch Straßenunterhalt, Schäden und externe Effekte (Unikims-Studie, 2023).
- Bereits 2009 zeigte eine Expertise für Bremen: Straßenbahnen können nahezu kostendeckend betrieben werden, während Buslinien ein deutlich höheres Defizit erzeugen (Deiters, 2009).
Eine Seilbahn dagegen ist teuer, endet im Nichts und erzeugt zusätzlichen Parkdruck an der Talstation.
2. Förderlogik: Bis zu 90 % Zuschüsse möglich
Straßenbahnprojekte sind förderfähig nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG). Bund und Land übernehmen bis zu 90 % der Investitionskosten, wenn die Projekte nachweislich zur Verkehrswende beitragen (BMVI/GVFG, 2023).
- Die Herkulesbahn fällt klar in diese Kategorie.
- Eine Seilbahn gilt dagegen nur als touristische Ergänzung — dafür gibt es keine vergleichbare Förderung.
3. Umwelt- und Flächenbilanz: Minimaler Eingriff, große Wirkung
Kritiker warnen vor „Naturzerstörung“. Tatsache ist:
- Die alte Trasse der Herkulesbahn besteht seit über 100 Jahren .
- Nur rund 300 Meter Ergänzung sind nötig, um das Besucherzentrum zu erreichen .
- Große Erdbewegungen oder Schneisen entfallen.
- Gleise beanspruchen pro Fahrgastkilometer deutlich weniger Fläche als Straßen und Parkplätze für Autos (vgl. Broschüre Förderverein, 2022) .
Die Bahn fährt elektrisch, emissionsfrei und schont die Natur. Jeder Fahrgast, der vom Auto umsteigt, entlastet Wald, Klima und Zufahrtsstraßen.
4. UNESCO-Welterbe: Bahn ist verträglich, Seilbahn ein Fremdkörper
Eine Seilbahn durchs Welterbe wäre ein massiver Eingriff ins Landschaftsbild. Die Herkulesbahn dagegen liegt außerhalb der Kernzone und ist weltkulturerbeverträglich .
UNESCO-Bewertungen betonen, dass angemessene Zugänge Welterbestätten sogar aufwerten können — solange sie das Gesamtgefüge respektieren (UNESCO Guidelines, 2019). Genau das leistet die Bahn.
5. Barrierefreiheit und Teilhabe
Der Bergpark ist steil und schwer zugänglich. Ohne Hilfe erreichen viele — Senioren, Familien mit Kinderwagen, mobilitätseingeschränkte Menschen – den Herkules nicht .
Die Herkulesbahn schafft erstmals einen barrierefreien Zugang und macht das Welterbe für alle erlebbar. Das ist keine Luxusfrage, sondern ein Gebot sozialer Gerechtigkeit.
6. Verkehrswirkung: Nur die Bahn entlastet den Berg
Mehr Busse klingen einfach, sind aber ein planerischer Irrweg:
- Busse stehen wie Autos im Stau.
- Ist die Kapazität einer modernen Straßenbahn deutlich höher als bei einem (Gelenk-)bus.
- Jeder zusätzliche Bus verschärft am Endpunkt das Problem: mehr Fahrzeuge, mehr Lärm, mehr Flächenbedarf.
Die Bahn dagegen bietet direkte, staufreie und bequeme Mobilität — und zieht Fahrgäste automatisch an („Schienenbonus“).
7. Wirtschaftskraft: Tourismus als Motor
Tourismus ist für Nordhessen ein entscheidender Wirtschaftsfaktor.
- 2017: Bruttoumsatz 2,293 Mrd. €, davon 213,6 Mio. € Steuereinnahmen (dwif-Studie im Auftrag des Regionalmanagements Nordhessen, 2018).
- Jeder Euro, der in den ÖPNV investiert wird, erzeugt drei Euro Nutzen für die Volkswirtschaft – durch Wertschöpfung, Beschäftigung und eingesparte externe Kosten (TU München MCube, 2025).
- Der Herkules ist das Aushängeschild Kassels. Eine schlechte Anbindung verkürzt Aufenthaltsdauer und Einnahmen, eine gute verlängert den Besuch und erhöht Konsum in Gastronomie, Museen und Handel.
Fakten statt Fantasie
- Verkehrswirtschaftlich: Straßenbahn ist günstiger pro Personenkilometer (WD Bundestag, 2024; Deiters 2009).
- Ökologisch: minimale Eingriffe, maximale Entlastung durch weniger Autos (Förderverein-Broschüre, 2022) .
- Sozial: barrierefrei und für alle zugänglich.
- Kulturell: UNESCO-kompatibel statt landschaftszerschneidend.
- Ökonomisch: hohe Förderquoten, gestärkte touristische Wertschöpfung (dwif 2018; TU München 2025).
Die Neue Herkulesbahn ist kein nostalgisches Prestigeprojekt, sondern ein Lehrbuchbeispiel für nachhaltige Infrastrukturpolitik. Wer dagegen eine Seilbahn fordert, plant eine teure Spaßgondel – hübsch fürs Foto, aber ohne Nutzen für Kassels Verkehrsprobleme.
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