Prüfen war 2025. Entscheiden ist 2026.

Seit der Vorstel­lung der Mach­barkeitsstudie zur Neuen Herkules­bahn ist ein Jahr ver­gan­gen. Das Ergeb­nis war ein­deutig: Die Ver­längerung der Lin­ie 4 zum Herkules ist tech­nisch mach­bar und förder­würdig.

Ein Jahr später fehlt noch immer die poli­tis­che Entschei­dung, das Pro­jekt weit­erzu­ver­fol­gen und die KVG mit der konkreten Pla­nung zu beauf­tra­gen.

Nun berichtet die HNA über einen ein­stim­mi­gen Beschluss des Stad­ten­twick­lungsauss­chuss­es. Die Verkehrssi­t­u­a­tion rund um den Berg­park soll erneut unter­sucht wer­den. Geprüft wer­den sollen Park­plätze, Park and Ride Ange­bote, Verbesserun­gen beim öffentlichen Nahverkehr, mögliche Wasser­spiel­ter­mine am Sam­stag und auch die Herkules­bahn.

Das ist richtig. Es darf aber nicht zur näch­sten Warteschleife wer­den.

1.000 Parkplätze und trotzdem Verkehrschaos

Hes­sen Kas­sel Her­itage ver­weist darauf, dass rund 1.000 Park­plätze zur Ver­fü­gung stün­den und diese nur an weni­gen Wasser­spielt­a­gen voll­ständig aus­ge­lastet seien.

Das klingt beruhi­gend. Mit der erlebten Wirk­lichkeit rund um den Berg­park hat diese rech­ner­ische Betra­ch­tung allerd­ings wenig zu tun.

Die lan­gen Fahrzeugschlangen sind doku­men­tiert. Besucherin­nen und Besuch­er bewe­gen sich zwis­chen Autos. Fahrzeuge ste­hen auf Gehwe­gen, an Straßen­rän­dern und teil­weise an Wald­we­gen. In angren­zen­den Wohnge­bi­eten entste­ht Park­suchverkehr.

Ob irgend­wo rech­ner­isch noch einzelne Stellplätze frei sind, ist dabei nicht entschei­dend. Ein Verkehrskonzept funk­tion­iert nicht schon deshalb, weil auf dem Papi­er genü­gend Park­plätze zusam­men­gerech­net wer­den kön­nen. Es muss dafür sor­gen, dass Men­schen sich­er, ver­ständlich und ohne stun­den­lange Suche an ihr Ziel gelan­gen.

Genau daran scheit­ert die heutige Sit­u­a­tion regelmäßig.

Wo ist die vollständige Studie?

Auch beim Umgang mit der Mach­barkeitsstudie bleiben Fra­gen offen.

Die KVG bietet auf ihrer Web­seite einen soge­nan­nten „Abschluss­bericht der Mach­barkeitsstudie“ zum Down­load an. Tat­säch­lich han­delt es sich dabei um eine acht­seit­ige Ergeb­nis­präsen­ta­tion aus dem Sep­tem­ber 2025.

Die zugrunde liegen­den Unter­suchun­gen, Berech­nun­gen, Annah­men und fach­lichen Bew­er­tun­gen sind damit für die Öffentlichkeit weit­er­hin nicht nachvol­lziehbar.

Warum wird nicht die voll­ständi­ge Unter­suchung veröf­fentlicht?

Dabei geht es nicht um Mis­strauen um des Mis­strauens willen. Es geht um Trans­parenz. Wenn eine Unter­suchung mit öffentlichen Mit­teln beauf­tragt wird und als Grund­lage für eine wichtige verkehrspoli­tis­che Entschei­dung dienen soll, müssen ihre Grund­la­gen öffentlich zugänglich sein.

Die voll­ständi­gen Unter­la­gen gehören auf den Tisch.

Die Stadt hat den nächsten Schritt selbst benannt

In ihrer Pressemit­teilung vom 16. Sep­tem­ber 2025 erk­lärte die Stadt Kas­sel, dass nun poli­tisch entsch­ieden wer­den müsse, ob das Pro­jekt weit­er­ver­fol­gt wer­den soll.

Diese Entschei­dung ist bis heute nicht öffentlich erkennbar gefall­en.

Stattdessen wird wieder geprüft, berat­en und über weit­ere Konzepte gesprochen. Wer die Geschichte der Herkules­bahn ken­nt, erken­nt darin ein bekan­ntes Muster. Genau dieses Muster muss jet­zt durch­brochen wer­den.

Jede weit­ere Verzögerung kostet Zeit. Sie kann zusät­zliche Kosten verur­sachen und erschw­ert eine ver­lässliche Pla­nung. Vor allem beschädigt sie das Ver­trauen der Men­schen, die seit Jahren erleben, dass das Verkehrsprob­lem bekan­nt ist, aber keine dauer­hafte Lösung auf den Weg gebracht wird.

Die Anreise ist Teil des touristischen Erlebnisses

Kas­sel wirbt mit dem Berg­park und dem Herkules als inter­na­tion­al bedeu­ten­dem UNESCO-Wel­terbe. Das Erleb­nis eines Besuchs begin­nt aber nicht erst an den Kaskaden. Es begin­nt mit der Anreise.

Wer im Stau ste­ht, lange nach einem Park­platz sucht oder sich zwis­chen fahren­den und abgestell­ten Autos bewe­gen muss, nimmt diese Erfahrung mit nach Hause. Und er erzählt anderen davon.

Eine Stadt, die sich als attrak­tives und zukun­ft­sori­en­tiertes Reiseziel ver­ste­ht, darf die Erre­ich­barkeit ihres bekan­ntesten Wahrze­ichens nicht jahre­lang verta­gen.

Unsere Forderungen sind klar

Wir erwarten:

  1. die Veröf­fentlichung der voll­ständi­gen Unter­suchung­sun­ter­la­gen zur Mach­barkeitsstudie,
  2. noch in diesem Jahr eine poli­tis­che Entschei­dung über die Weit­er­ver­fol­gung der Neuen Herkules­bahn,
  3. einen konkreten Auf­trag an die KVG für die näch­sten Pla­nungss­chritte und einen öffentlich nachvol­lziehbaren Zeit­plan.

Kurzfristige Verbesserun­gen bei Verkehrslenkung, Park and Ride, Busverkehr und Shut­tleange­boten bleiben notwendig. Sie dür­fen aber nicht als Vor­wand dienen, die langfristige Lösung erneut aufzuschieben.

Die Neue Herkules­bahn ist kein nos­tal­gis­ches Wun­sch­pro­jekt. Sie ist eine unter­suchte, förder­würdi­ge und zeit­gemäße Antwort auf ein Verkehrsprob­lem, das seit Jahren vor aller Augen stat­tfind­et.

Prüfen war 2025. Entschei­den ist 2026.

Der Berg­park braucht keine weit­ere Warteschleife.

Aktualisierung vom 22. September 2026

Der Druck rund um den Bergpark wächst

Die HNA greift die anges­pan­nte Verkehrssi­t­u­a­tion rund um den Berg­park erneut auf. Anwohner­in­nen und Anwohn­er bericht­en von täglichem Fremd­verkehr, zugepark­ten Straßen und gefährlichen Sit­u­a­tio­nen. Auch der Orts­beirat Bad Wil­helmshöhe fordert konkrete Maß­nah­men. Das zeigt: Die Verkehrsprob­leme beschränken sich längst nicht auf einige wenige Wasser­spielt­age.

Die neue Buslin­ie 24 ist eine sin­nvolle kurzfristige Ergänzung. Sie erset­zt jedoch keine dauer­hafte Lösung. Die Neue Herkules­bahn kann zwar nicht jedes Prob­lem des Pendlerverkehrs in den Wohnge­bi­eten lösen, sie würde aber eine direk­te und attrak­tive Alter­na­tive für die Fahrt aus der Innen­stadt und vom ICE-Bahn­hof zum Herkules schaf­fen. Damit kön­nte sie einen wichti­gen Teil des Besuch­er- und Park­suchverkehrs reduzieren.

Die Stadt kündigt nun an, rel­e­vante Infor­ma­tio­nen aus den bish­eri­gen Unter­suchun­gen zur Herkules­bahn „dem­nächst“ zu veröf­fentlichen. Einen konkreten Ter­min nen­nt sie weit­er­hin nicht.

Ein Jahr nach der Vorstel­lung der Mach­barkeitsstudie reicht „dem­nächst“ nicht mehr. Die voll­ständi­gen Grund­la­gen müssen veröf­fentlicht wer­den. Danach braucht es einen nachvol­lziehbaren Zeit­plan und eine poli­tis­che Entschei­dung.

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